EIN PORTRAIT

 

von Dr. Barbara Aust

 

Die Wahrheit liegt hinter den Dingen

Wenn Antoine de Saint Exupery sagt: "Die Wahrheit liegt hinter den Dingen verborgen", so trifft dies auch auf die Bilder von Astrid Hättig zu. Ihre Bilder in Acryl auf Leinwand sind Reflexionen eigener Befindlichkeiten und erschliessen sich dem Betrachter nicht unmittelbar. Dabei führen d. Arbeiten den Betrachter in emotionale  Entrücktheiten, wo sich Spiel, Lust, Aggression, Verwirrung und Wildheit gegen dei Sanktionsmacht der Normalität ausleben. Astrid Hättigs Motive einer intro-vertierten Bewegungs- und Blickrichtung zeigen Welten, die sich zu Gesichtern aufbauen, die gegen Angst und Terror eintreten, gegen den Albtraum der Banalität und das tödliche Gleichmass des Alltags, gegen die Ungerechtigkeit der Welt, gegen die Sprach- und Beziehungslosigkeit der Menschen und deren verborgene Seelenzustände. Vielmehr noch sind ihre stilistischen Zusammenhänge Ausdruck starker Verwurzelung im Emotionalen und betören durch eine expressive Farbgebung. 

Vor diesem Hintergrund erwachsen die Porträt-darstellungen Hättigs zu komplexen Beschreibungen individueller Existenzen. Gesichter, Gebärden, Gesten eröffnen nicht etwa nur Blicke auf das objektive äussere Erscheinungbild oder die postulierte seelische Verfassung des Menschen, sie sind eher expressiver Ausdruck eines den Modellen von aussen unterstellten Seins und Wesens. So gelingt es der Künstlerin in ihren Porträts, den Habitus gesellschaftlicher Normen, die Vereinsamung und Isolierung der Menschen mit künstlerischen Mitteln auszudrücken.

Astrid Hättigs Farb- und Formenrepertoire entwickelt sich zu reduzierter Form bis hin zu einer Farbexplosionen. auch hier ist der Weg das Ziel. Ende der neunziger bis 2010 entsteht eine ganze Reihe von dieser Thematik geprägten Farbkompositionen: Formen, die ineinander und umeinander kreisen und verschmelzen. Alle diese Bilder vermitteln eine ungeheure Dynamik, die den Betrachter erfasst und mit sich reisst.

Die Charakteristik von Astrid Hättigs Bildern liegt gerade darin, dass die Themen spontan und farbig frei künstlerisch umgesetzt werden. Dabei wird die Farbexplosion vollends zum Träger der Bildkonstruktion und tritt ein für das Thema, für Form, Raum und Bewegung. Die Kompositionen sind eine Weiter-entwicklung auf dem Weg der Befreiung und der Reise zur Mitte, zum Solarplexus, dem inneren Sammel- und Konzentrationspunkt, zwischen den Hauptfragen des Lebens: Woher komme ich und wohin gehe ich. Der Blick ins Jenseits, ins Universum, das Artikulieren von Träumen und Visionen begleiten den Menschen über seine Entwicklung von der Geburt bis zu seinem Tod, seinem Weg ins Licht, in die kosmische Wiege. Diese grundsätzlichen Determinanten des Lebens bestimmen den Inhalt der Bilderwelt von Astrid Hättig.